Von Zeitreisen, Superschurken und einer vorlauten minderjährigen FBI- Agentin

Der Quantenzauberer - Eoin Colfer

Erster Satz:
Zwei Flecken schwebten in den Schatten zwischen der Standuhr und den Samtvorhängen.
(Seite 9)

Inhalt:
Die FBI Junior Agentin Chevie Savano wurde nach London Strafversetzt um im Auftrag von WARP eine alte Metallkapsel zu bewachen. Neun Monate wartet Chevie im Keller darauf, dass sich was tut und plötzlich erwacht die Kapsel zum leben und spuckt einen 14 Jährigen Jungen und einen toten Wissenschaftler aus. Dieser verkündet der Tod höchst persönlich verfolge ihn.
Das Aufräumkommando vom FBI verschwindet in der Vergangenheit um eventuelle Spuren zu beseitigen. Die Gelegenheit ergreift der ehemalige Zauberer und Auftragsmörder Garrick und überwältigt das Aufräumkommando. Durch einen bedauerlichen Unfall, bei welchem Garrick Felix Smart versucht zu töten, vermischen sich dessen Erinnerungen mit seinen.
Ausgestattet mit dem Wissen über die Zukunft, übermenschlichen Fähigkeiten und Felix Smart's brillanten technischen Verstand, mutiert er zum absoluten Superschurken. Er verfolgt einen dunklen Plan und setzt alles daran, seinen Lehrling wieder zu bekommen. Eine spannende Jagd durch Gegenwart und Vergangenheit beginnt.

Meinung:
Ein wirklich interessantes Zeitreiseabenteuer, welches teilweise sehr an einen Actionfilm erinnerte, mit viel Rauch, tam tam und geistloser Brutalität.
Dennoch würde ich sagen, dass es ein gelungenes Buch war, wenn man über einige Logikfehler hinwegsehen kann.
Hier und da wurde viel an der Situation herum geschraubt um sie passend zu kriegen, was leider etwas unausgereift wirkte und man sicherlich hätte besser machen können.
Manche Probleme in dem Buch wurden meiner Meinung nach viel zu schnell und wie durch Zufall gelöst. Der Zufall war der immer alles entscheidende Moment.
Einiges wurde leider so überspitzt und übertrieben dargestellt, dass es die Geschichte teilweise unglaubwürdig machte. Viele Handlungsstränge sind wirklich gelungen und bieten viele Momente der Überraschung, wurden aber durch die streckenweise übertriebene Brutalität sehr abgestumpft.
Das finde ich in vielerlei Hinsicht sehr Schade, denn das hat die Geschichte überhaupt nicht nötig. Sie sprüht, blitzt und funkt geradezu über vor Fantasie und genialen Einfällen.
Aber eines muss man dem Autor Eoin Colfer lassen, er schafft es das Klischee der romantischen Zuckerguss Zeitreisen völlig zu zerstreuen. Die Vergangenheit ist schmutzig, real, voller Gestank, fieser Krankheiten und grausam.
Die Idee mit dem Zeugenschutzprogramm in der Vergangenheit war jedenfalls sehr reizvoll und hat mich sofort fasziniert. Auch wenn der Superschurke etwas weit her geholt war, hatte ich mich schon bald an die Vorstellung gewöhnt.
Die Erzählweise war schon spannend gestrickt, jeder Charakter wurde ganz eigen beschrieben und hatte seinen Anteil an der Handlung. Die später immer mehr auseinander gebrösselt wurde und so einen Sinn ergab. So manches mal konnte der Autor mich hier überraschen.
Ich finde es immer gut, wenn man nicht alle Tatsachen sofort leicht serviert bekommt, sondern nach und nach alles zusammensetzen darf. Das steigert die Spannung und macht neugierig auf mehr.
Gut fand ich hier auch wieder, dass Riley, der vierzehnjährige Junge aus der Vergangenheit, mit der Zukunft, den alltäglichen Gegenständen und Ausdrücken zu kämpfen hatte. Erschien er mir am Anfang noch recht blass, wurde er im Laufe der Geschichte immer besser seitens seiner Persönlichkeit und bewegenden Vergangenheit beschrieben. So das er mir klug und geschickt und tiefgründiger erschien als zuvor.
Auch der Zauberer Garrick wurde anhand seiner Vergangenheit beschrieben, so dass man immer besser verstand, wie aus ihm dieser brutale Psychopath geworden war. Er schien mir nicht nur durchaus böse, sondern hatte auch einige sehr einfühlsame Momente. Er war zwar ein Superschurke, aber nicht einer dieser typisch Dummen Ich bin der Böse und will die Weltherrschaft" Fieslingen.
Chevie hätte mehr Raum für Entfaltungsmöglichkeiten gebraucht, denn sie war ein wirklich interessanter, selbstbewusster und sympathischer Hauptcharakter mit ihrer großen Klappe, dem eigenwilligen Humor, ihrem Willen zu kämpfen und dem ausgeprägten Beschützerinstinkt. Leider blieb sie im Buch, weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Aber es kann ja auch sein, dass ich sie falsch eingeschätzt habe.
Fazit: Ein temporeiches Buch mit vielen Höhen und Tiefen im Aufbau, einer sympathischen Hauptprotagonisten, einem verrückten Superschurken und jeder Menge Action und Krawall.
Dieses Buch lässt einen kaum durch atmen und verspricht trotz einiger Logikfehler ein spannendes Zeitreiseabenteuer, welches einen von der ersten Seite abholt und mitreißt.
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